Lissabon Marathon – 14.10.2018

Laufbericht von Marcus Teschke

In einer der diversen Laufzeitschriften, die man so jährlich „konsumiert“, las ich vor geraumer Zeit von dem Lissabon „Rock´n´Roll“ Marathon – geil, als Rock/Metal Fan war ich sofort hellhörig.
Wir und ein befreundetes Pärchen buchten also eine gemeinsame 10-tägige Rundreise mit dem Mietwagen quer durch Portugal (vom nördlichen Porto nach Albufeira im Süden) im Oktober. Ein 3-tägiger Abstecher in der Mitte der Reise in Lissabon zum Sightseeing und Chance für mich, den Lauf mitzumachen, ging ebenfalls für alle OK – perfekt !
Der Lauf hatte allerdings in punkto Vorbereitung einige Überraschungen parat. Sofort am Anfang ging es um die simple Frage der Online Anmeldung. Das war offenbar ein Thema was mit Problem Nummer 2 einher ging, nämlich dass der Lissabon Marathon ab 2018 nicht mehr Teil der weltweiten „Rock´n´Roll Marathon Serie“ war und der Organisator gewechselt hatte.
Schöner Mist, kein Rock auf der Strecke und wo und wie kann man sich nun online anmelden. Kurzum: nach diversen Fehlversuchen und Irritationen schickte mir der Organisator einen Anmelde-Direktlink per Mail. Frühbucherrabatt ade – aber was soll´s.
Anmeldung klappte dann auch und ab ging´s Mitte Oktober nach Portugal und – nach schönen Tagen im Norden – am 12.10.18 nach Lissabon – einer absolut sehenswerten, quirligen Stadt.
Ach ja: Vorbereitungsprobleme, da kam ja noch einiges….
Wer sich erinnert, hat den extrem langen schönen Sommer 2018 in Berlin im Hinterkopf in Verbindung mit dem eher radikalen Temperatursturz Ende September/Anfang Oktober auf unter 10 Grad. In Portugal hingegen waren 26 Grad und Sonne – für den Kreislauf wenig optimal. Das i-Tüpfelchen war dann aber am Vorabend des Wettkampfes die SMS von meinem Onkel, ob ich von dem Wirbelsturm „Leslie“ gehört hätte, der diese Nacht über Portugal und Lissabon hinwegfegen sollte. Was ? Aprilscherz oder was ?
Nein, leider keine fake news sondern bitterer Ernst – ein Blick nach draußen, wo sich langsam das Unwetter zusammenbraute, und auf die Fernsehschirme in der Hotel Lobby bestätigten das leider. Um 21 Uhr kam dann eine SMS des Marathon Veranstalters, das der Lauf vorerst von 8 Uhr morgens auf 9 Uhr verschoben wurde, in der Hoffnung, den Lauf – bei hoffentlich dann etwas beruhigtem Wetter – überhaupt (!) durchführen zu können. Nun ja, die zeitliche Verschiebung ging für mich erstmal in Ordnung, da der Start in Cascais war, wo man erstmal 40 Minuten mit dem Zug morgens aus Lissabon hinfahren musste. Länger ausschlafen klang insofern gut.
In der Nacht tobte sich der Sturm auch wirklich radikal über Lissabon aus aber ließ dann zum Glück in den Morgenstunden nach.
Auf der Zugfahrt kamen keine neuen Nachrichten des Veranstalters und im Startgebiet empfing uns ein phantastischer Sonnenaufgang und die gute Nachricht, dass trotz noch recht heftigem (Rest)Wind der Lauf stattfinden würde. Super !
Punkt 9 Uhr ging es los – ca. 6.000 Läufer (ein Witz im Vergleich zu Berlin, London, etc.) waren am Start – davon fast die Hälfte aus anderen Ländern – ein schöner internationaler Lauf.
Der Wind war in der Tat noch recht intensiv und vereinzelt böig, was den Lauf etwas erschwerte aber in punkto Laufszenerie einfach perfekt war. Der Lauf ging von Cascais bis Lissabon fast durchgängig an der wunderschönen Felsküste entlang, wo sich durch den starken Wind die Wellen mit krasser Wucht brachen und eine Gischt-Fontäne nach der anderen in die Landschaft zauberten. Eine Augenweide, die zu kurzen Fotostopps animierte – getreu dem Motto: verliere Sekunden, gewinne Momente !
Die Strecke selbst ging durchgängig auf der abgesperrten und gut mit Verpflegungspunkten ausgestatteten, asphaltierten Küstenstraße entlang, die aber viele kleine An- und Abstiege und Brücken parat hielt, was die Körner langsam aber sicher aus dem Körper zog.
Am Vorabend des Laufes ging dann auch prompt noch die Batterie meiner Laufuhr zur Neige, so dass ich erstmals versuchen musste, rein nach Körpergefühl zu laufen. Dies war aber gar nicht so einfach, da ich durch die tolle Landschaft und die Freude an dem Lauf am Anfang doch zu schnell war. Die Quittung kam dann mit einem kleinen Leistungseinbruch auch prompt zwischen Kilometer 28 und 35, gepaart mit Magenproblemen wegen des (in südlichen Ländern nicht unüblichem) gechlorten Wassers.
Für Abwechslung sorgten zum Glück einige vereinzelte Rockbands am Rand und bei dem Song „Summer of 69“ machte es dann auch wieder Spaß, einen Gang zuzulegen.
Die Zuschauer an der Strecke waren nicht so dicht vertreten, wie bei anderen Läufen, aber wenn sie da waren, dann mit voller Begeisterung. Schönste Erinnerung in der Hinsicht war eine Brücke mit krassem Anstieg bei etwa Kilometer 32, wo viele junge Leute diverse Nationalfahnen von teilnehmenden Läufern schwangen – ein toller, motivierender Anblick.
Bei Kilometer 38, kurz nachdem man die grandiose Brücke „Ponte de 25 de Abril“ mit Blick auf die Cristo Rei Statue passiert hatte, kam dann mein persönlicher Motivationsschub in Form meiner Freunde und Familie, die am Straßenrand mit aufmunternden Worten und einem Bier auf mich warteten und zu einem kurzen Stopp einluden. Verrückt aber schön. Man erntet natürlich schon ungläubige Blicke, aber dieses kleine (Bier)Ritual beim Lauf-Wettkampf, das ich erstmals beim „Grizzly“ in England mit Freunden praktiziert hatte, wollte ich mir unbedingt erhalten – „Scheiß auf die Zeit“ 😉
Nach 5 Minuten ging es dann weiter – erstaunlich beschwingt und top motiviert – der Einbruch der vorherigen 7km war überstanden. Der Zieleinlauf war nun in greifbarer Nähe und bildete auch das absolute Highlight des Laufes. Direkt an einem der Hauptattraktionen der Stadt, dem „Praça do Comércio“, direkt an der Küste, läuft man durch einen gigantischen Torbogen auf den riesigen Platz ein, wo hunderte von Zuschauern die Läufer im Ziel feiern.
Gänsehaut pur !
Zum Abschluss gab es dann noch ein Eis (!) vom Veranstalter und einen Wettkampfbeutel mit einigen netten give aways.
Meine Zielzeit ging für mich ebenfalls mehr als OK – zweitbeste Zeit trotz Wind, Teileinbruch und Bierpause. Ich war happy – und mal ehrlich: mit 48 Jahren muss man ja vielleicht auch mal langsam aufhören, immer auf Zeitverbesserungen zu schielen.
Fazit: ein toller Lauf mit verhältnismäßig kleiner Teilnehmerzahl und grandioser Küstenszenerie sowie Zieleinlauf in einer der schönsten Städte Europas. In Verbindung mit einem Kurzurlaub/Städtetrip sehr zu empfehlen – vor allem zu der Jahreszeit.
Die 100% Asphaltstrecke (klar, halt ein typischer Stadtmarathon) in Verbindung mit den vielen kleinen Anstiegen ist hingegen für die Gelenke weniger schön und konditionell auch etwas fordernd aber gut machbar.

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.